Die diesjährige Medaillenverleihung ehrt Rotary International für ihre seit 25 Jahre bestehende Kampagne PolioPlus. Mit dieser Auszeichnung würdigt die WAK ein
außergewöhnliches Konzept, das zur Ausrottung von Polio weltweit entwickelt
wurde. Das humanitäre Projekt hat im Laufe eines Vierteljahrhunderts ein Ausmaß angenommen, das als Einzigartig in seiner Art zu werten ist.
End Polio Now
Polio und ihre Symptome
PolioPlus – Die Entstehungsgeschichte
Rotarys große Stunde
Die Dynamik eines weltweiten Netzwerkes
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Finanzierungsengpass
Rotary International, Chicago
Deutschland ist seit 2002 poliofrei – das kann sich ändern
Der Festakt zur 32. Verleihung der Dr. Kurt Neven
DuMont-Medaille findet statt am:
Datum
30. November 2010
Beginn
18.30 Uhr
Ort
IHK Köln, Börsensaal
Preisträger
Rotary International
Anlass
PolioPlus - Kampagne
zur weltweiten Ausrottung
der Polio
END POLIO NOW
Rotary hat eine Welt ohne Polio versprochen. Dieses Versprechen soll gehalten
werden. Wenn Rotary sich jetzt zurückzieht, sind Ansehen, Vertrauen, nahezu 800
Millionen US-Dollar an Spendengeldern und 99 Prozent Erfolg verloren. Das letzte
Prozent, wirklich alle Kinder dieser Welt zu impfen, damit die Infektionskette zuver-
lässig unterbrochen wird, entwickelt sich zum schwierigsten Unterfangen. Die aktu-
elle Kampagne, die „200-Millionen-US-Dollar-Herausforderung“ ist an ein Verspre-
chen der Gates Foundation geknüpft, die bereits 2007 gespendeten 100 Millionen
um 255 Millionen US-Dollar zu erhöhen, im Vertrauen darauf, dass Rotary bis Ende
2010 den Betrag um 200 Millionen US-Dollar aufstockt, um gemeinsam das Ziel,
die benötigten 555 Millionen US-Dollar, zu erreichen. Und die neuesten Zahlen
(Stand 6/10) beweisen, dass die Kampagne erfolgreich ist. Bereits 141 Millionen
US-Dollar wurden bisher schon gespendet!
Das Logo ist eine Kampfansage
an das eine Prozent, das es noch
zu besiegen gilt.
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POLIO UND IHRE SYMPTOME
Poliomyelitis anterior acuta oder spinale Kinder-
lähmung – kurz Polio ist eine hoch ansteckende
Krankheit, die durch ein Virus verursacht wird. Es
dringt in das Nervensystem und kann innerhalb
Stunden zur totalen Lähmung führen. Das Virus
gelangt durch den Mund in den Körper und ver-
mehrt sich im Darm. Erste Symptome sind Fieber,
Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Verstei-
fung des Nackens und Schmerzen in den Glie-
dern. Eine von 200 Infektionen führt zu irreversib-
ler Lähmung (gewöhnlich in den Beinen). Die
Sterblichkeitsrate liegt zwischen fünf bis zehn
Prozent, wenn die Atemwege gelähmt sind. Kin-
derlähmung befällt hauptsächlich Kinder unter fünf
Jahren. Es gibt keine Heilung für Polio, lediglich
mehrfache Impfungen können ein Kind lebenslang
davor schützen.
POLIOPLUS - DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
Das Rotary-Engagement im Kampf gegen Polio begann bereits 1979. Als geeigne-
tes Startprojekt stellte sich die Durchimpfung gegen Kinderlähmung von 6,3 Millio-
nen Kindern auf den Philippinen, einem Land mit überdurchschnittlich hoher Infekti-
onsrate, heraus. Nach diesem Modell wurden in den Folgejahren ähnliche Projekte
in Kambodscha, Haiti, Marokko, Paraguay und Sierra Leone auf den Weg gebracht.
Dr. Margaret Chan
WHO-Generaldirektorin
„Ich bin sicher, dass wir Polio endgültig
besiegen werden. Wir werden dazu in den
nächsten 24 Monaten einen beispiellosen
Einsatz zeigen“.
Januar 2007
Der nächste große Schritt wurde von der Maßnahme überschattet, dass sich die
WHO gegen Impfprogramme die nur eine einzelne Krankheit ins Visier nahm stellte.
Sie nannte das die vertikale Strategie. Sie stützte sich auf das seit 1978 geltende
Programm EPI (Expanded Program on Immunisation), mit dem 90 % aller Neuge-
borenen vor Polio, Masern, Tuberkulose, Diphterie, Keuchhusten und Tetanus
geschützt werden sollten. Trotz der erfolgreichen Polio-Kampagne in den Philippi-
nen war man bei der WHO der Auffassung, Geld und andere Ressourcen würden
mehr Nutzen bringen, wenn man auf breiter Front horizontal gleich eine Reihe von
Krankheiten anging.
Durch das Einwirken von Rotary bekam die „Vertikal-Horizontal“-Debatte neuen Auf-
wind, der zahlreiche Arbeitsgruppen und Konferenzen beschäftigte. Es wurde nach
einem Kompromiss, der beiden Strategien gerecht werden sollte, gesucht. In
Abstimmung mit UNICEF fand man einen gemeinsamen Konsens, der beiden
Aspekten Rechnung trug. Rotary solle sich um folgende drei Aufgaben kümmern:
1.
Bereitstellung großer Mengen Impfstoff über einen Zeitraum von 5 Jahren
2.
Bereitschaft, durch intensive Lobby-Arbeit Politiker für die Unterstützung
des Programms zu gewinnen
3.
Mobilisierung von Freiwilligen auf lokaler Ebene für Aufklärungs-
kampagnen, mit denen Eltern über den Nutzen von Impfungen informiert
werden sollten
Diese drei Punkte sind der Kern des als PolioPlus bezeichneten Programms, wobei
der Begriff die Gegensätze vereinigen sollte: POLIO signalisiert den (vertikalen)
Kampf gegen eine Krankheit – die Kinderlähmung – PLUS steht für die Bereitschaft,
an der horizontalen Strategie mitzuwirken, weil Geld, Know-how und Freiwilligen-
Mobilisierung auch der Bekämpfung der anderen fünf Krankheiten des EPI-Pro-
gramms zugute kommen würde.
ROTARYS GROSSE STUNDE
Im Oktober 1985 erhielten die Rotary-Spitzen Gelegenheit, PolioPlus auf einer Kon-
ferenz von Staatschefs vorzustellen, die in New York aus Anlass des 40. Jahresta-
ges der Vereinten Nationen zusammen gekommen waren. Rotary machte die Zusa-
ge, 120 Millionen US-Dollar für PolioPlus bereitzustellen. Das hat es noch nie
gegeben, dass eine private Organisation eine derartig hohe Spende sowie ein Netz
von einer Million Führungskräfte für eine öffentliche Gesundheitsmaßnahme zur
Verfügung stellt.
Ban Ki Moon
UNO-Generalsekretär
„Ich stehe zu Ihnen in dieser großartigen
Kampagne ... jetzt ist die Zeit, die Aufgabe
zu vollenden“
RI Convention, 21. Juni 2009
1987 wurde bei der weltweiten Versammlung in München PolioPlus von Rotary
International den deutschen Clubs vorgestellt und das Ziel, 120 Millionen Dollar an
Spenden zu generieren, deutlich hervorgehoben.
120 Millionen US-Dollar war der Betrag, den Rotary nach Schätzung der Experten
für Impfstoff würde aufbringen müssen. Viele glaubten, das müsste ausreichen, um
die Polio-Übertragungskette dauerhaft zu unterbrechen. In den folgenden fünf Jah-
ren sollten die nationalen Gesundheitsbehörden in die Lage versetzt sein, Polio
endgültig zu besiegen. Die wahre Dimension dieser Aufgabe und die Kosten von
mehr als 3 Milliarden US-Dollar sollten noch eine Weile im Dunkeln bleiben.
DIE DYNAMIK EINES WELTWEITEN NETZWERKES
Die Kampagne setzte eine völlig neue Art des Fundraisings voraus, die Rotary erst
erlernen musste. Mit Hilfe einer Management-Agentur wurde ein strategischer
Ansatz entwickelt, um Idee und Zielsetzung in jeden Rotary Club zu bringen. Das
war die Hauptaufgabe für die Jahre 1985/1986. Die Organisationsstruktur sah an
der Spitze ein PolioPlus-Komitee vor, darunter 11 internationale, 84 nationale und
3.300 regionale Koordinatoren, insgesamt 3.900 Multiplikatoren, die alle zunächst
geschult werden mussten. Gleichzeitig wurden zehn Musterclubs ausgewählt, um
die Resonanz des Programms an der Basis zu testen und die Breitenwirkung zu
steuern. Das Ergebnis war ermutigend. Rotarier in aller Welt nahmen die Herausfor-
derung an und entwickelten eine Vielzahl kreativer Ideen, um für PolioPlus an
Spenden zu kommen.
Barack Obama
Präsident der USA
„Und heute gebe ich eine neue Initiative bekannt,
gemeinsam mit der Islamischen Konferenz Polio
auszurotten“
Kairo, 4. Juni 2009
In den Folgejahren gelang es der 1988 gebildeten Global Polio Eradication Initiative
(WHO, Rotary, UNICEF, Centers for Disease Control and Prevention CDC) mit
Unterstützung, nicht nur durch den UNO-Generalsekretär, sondern auch durch
andere Staatsoberhäupter, darunter auch US-Präsident Barack Obama, in vielen
Ländern Polio entscheidend zurückzudrängen. Voraussetzung dafür war eine
Zuwendung von 5,3 Millionen US-Dollar, die die Rotary Foundation der WHO über-
wies, um mit diesem Geld in Genf einen Kampagnenstab und fünf Außenbüros in
verschiedenen Erdteilen einzurichten. Dieser relativ kleine Betrag wurde zur wich-
tigsten Zuwendung der ganzen PolioPlus-Kampagne, denn erst mit der neuen Ent-
scheidungsstruktur konnte die WHO den Kampf gegen die Kinderlähmung global
aufnehmen. Die WHO machte daraus die größte Aktion in der Geschichte der
öffentlichen Gesundheitsfürsorge, in die Tausende medizinische Fachkräfte und
Millionen von Freiwilligen eingebunden wurden. Nach den ersten Erfolgen erreichte
der Spendenzufluss eine neue Qualität: Rotary, nationale Entwicklungsagenturen
und private Unternehmen stellten fast drei Milliarden US-Dollar zur Aufstockung der
knappen Budgets in polio-endemischen Staaten zur Verfügung – für Impfstoff, den
Aufbau eines Überwachungssystems und eines Netzwerks von 146 Fachlabors,
Trainingsseminare und die Unterstützung von NIDs. Daraufhin nahm die Zahl der
polio-endemischen Staaten stetig ab.
EIN WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT
Auch in Europa war das Ende von Polio nur eine Frage der Zeit und des Erfolgs der
Operation MECACAR, hinter der sich eine über fünf Jahre – 1995 bis 2000 – koor-
dinierte Serie von NIDs in der Region Östliches Mittelmeer/Kaukasus/Zentralasi-
atische Republiken verbarg. Jedes Jahr wurden 65 Millionen Kinder immunisiert.
Damit wurde es möglich, Europa im Juni 2002 als Polio-frei zu zertifizieren.
Diese regionalen Erfolge konnten jedoch nicht verdecken, dass das von der WHO
ausgegebene Ziel nicht zu erreichen war: eine Polio-freie Welt bis 2000. Am Ende
des Jahrhunderts gab es immer noch 20 Polio-endemische Länder. Aber wie lange
musste man das Ziel aufschieben? Jedes weitere Jahr Verzögerung würde
geschätzte 100 bis 150 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Kosten verursachen.
Denn dann würden immer neue NIDs zum Schutz der Neugeborenen in den Polio-
freien Ländern notwendig werden, die nur begrenzte Mittel für Routineimpfungen
aufbringen können. Und ganz grundsätzlich nährten die spezifischen Probleme in
einigen afrikanischen Ländern – ethnische Rivalitäten, Bürgerkriege, Wirtschaftskri-
sen – Zweifel daran, das Ziel jemals zu erreichen.
FINANZIERUNGSENGPASS
Auf der Suche nach weiteren Geldgebern im privaten Bereich und insbesondere bei
Stiftungen stieß Rotary auf die neu errichtete United Nations Stiftung, die der Medi-
en-Unternehmer Ted Turner mit einer Milliarde US-Dollar ausgestattet hatte.
Gemeinsam erarbeitete man ein Konzept, mit dem weltweit private Spender für die
Kampagne gewonnen werden konnten, darunter die Bill & Melinda Gates Foundati-
on, die insgesamt 355 Millionen US-Dollar bereitgestellt hat.
Bill Gates
Mircosoft Gründer
„Doch ist eine vollständige Ausrottung des
Poliovirus sehr schwierig und wird weiterhin für
Jahre hinaus schwierig sein. Rotary insbesonde-
re hat meine persönliche Überzeugung inspiriert,
sich ganz besonders für eine vollständige Aus-
rottung einzusetzen.”
Eine weitere Finanzquelle wurde über die Weltbank erschlossen: Kredite für den
Kauf von Impfstoff wurden zu niedrigen Zinssätzen an die Regierungen der Polio-
endemischen Länder vergeben, die von privaten Geldgebern ausgelöst werden
konnten. Hierbei arbeiteten Rotary, die Gates Foundation und die Weltbank erst-
mals in einem Matching-Verfahren zusammen.
ROTARY INTERNATIONAL, CHICAGO
Rotary ist eine weltweite Organisation von mehr als 1,23 Millionen Männern und
Frauen, die im Beruf, in Wirtschaft und Kommune führend tätig sind. Die in Clubs
organisierten Rotarierinnen und Rotarier leisten humanitäre Hilfe, setzen sich für
hohe ethische Normen in allen Berufen ein und tragen zu Völkerverständigung und
Frieden in der Welt bei. Weltweit gibt es derzeit über 33.000 Rotary Clubs in mehr
als 200 Ländern und Regionen. Rotary Clubs sind unabhängig, überparteilich und
nicht konfessionell gebunden und stehen Angehörigen aller Kulturen, Rassen und
Glaubensrichtungen offen. Getreu seinem Motto – Selbstloses Dienen – besteht
das Hauptziel von Rotary darin, überall in der Welt gemeinnützige Arbeit zu leisten.
DEUTSCHLAND IST SEIT 2002 POLIOFREI - DAS KANN SICH ÄNDERN
Immer wieder die ernüchternde Rechnung: Wenn die Ansteckungskette des wilden
Poliovirus nicht 100 Prozent unterbrochen wird, besteht für alle Länder die Gefahr,
dass Polio durch Migranten oder durch den Tourismus eingeschleppt werden kann.
Ist die nächste Ansteckung eine Flugreise entfernt?